Xingbaos kleine chinesische Stadt

Insgesamt vier Gebäude sind Teil der ersten kleinen Chinatown-Serie (teilweise auch als Zhong Hua Street, also in etwa „Chinesische Strasse“ bezeichnet) von Xingbao, in der traditionell gehaltene Häuser auf einer Fläche von jeweils 10×10 Noppen entstehen. Mit einer modularen Verbindungsmöglichkeit an den Seiten, meistens jedenfalls. Das Gebinde unter der Seriennummer 01101 wurde von mir für rund dreißig Euro bei BlueBrixx erworben. Und hier folgt mein Resümee …

Insgesamt gibt es an den Modelle wenig zu meckern – sie sind zwar stilisiert (und dabei teilweise mit etwas zu großem Zubehör ausgestattet), aber erwecken doch gut den Eindruck einer altmodischen Strasse in China. Für die Bauanleitung braucht man allerdings einmal gutes Licht (besonders die Farbdarstellung ist oft schlecht), dazu aber auch gute Augen oder die Lesebrille, denn alles ist sehr klein dargestellt. Mehr kann ich dann zu den einzelnen Sets im Gebinde sagen.

Schmiede – 01101-A

Probleme gibt es hier ab Schritt 1-5, denn hier fehlte plötzlich der nicht-hellgraue 1×2 Stein mit Mauerstruktur, über dessen genaue Farbe man auch rätseln darf. Also aus der Grabbelkiste einen einfachen 1×2 herausgesucht und weiter. Stopp, nicht ganz … in Bauschritt 1-4 wurde unter diesem Stein eine Lücke gelassen, was auf uns irgendwie doch einen wackeligen Eindruck machte. Also dort noch eine hellgraue 1×2 Platte ergänzt, jetzt sitzt alles bombensicher. Probleme bei der richtigen Montage der Werbetafel (oder wohl eher des Werbebanners) in Schritt 2-13 gab es keine, wer keine chinesischen Schriftzeichen lesen kann, orientiert sich schlicht an den herabhängenden Fransen. Oder am Titelbild.

Insgesamt ein hübsches Teil, auch wenn der Maßstab hier etwas grotesk ist. Und zwar bei Werkzeugen und Produkten – der Schmiedehammer mag ja noch für die Bereifung von Wagenrädern passen, aber die Waffen sind eindeutig überdimensioniert, und das Küchenmesser über der Esse muss einem Riesen gehören. Aber: Wenn man es als Stilisierung sieht, dann haut es hin. Apropos Messer – Xingbao hat gleich zwei Gussrahmen mit jeweils 17 Küchen-Utensilien wie Messer und Gabel, Pfannen, aber auch Backformen und Mixer beigelegt. Exakt ein Messer wird gebraucht, der Rest wandert bis zum möglichen Einsatz in die Grabbelkiste.

Die Schmiede ist am Ende nur einseitig modular – auf der von vorne links liegenden Hausseite gibt es keinen zur Aufnahme eines Verbindungsteils geeigneten Stein, rechts schon. Ist kein Beinbruch, denke ich. Schade ist nur, dass Xingbao eben dieses Verbindungsteil nicht beilegt (was sich übrigens durch die gesamte Serie zieht).

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 313 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – 1
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – 1
  • Reserveteile – 1, plus 33 Küchengeräte
Apotheke – 01101-B

Einige interessante Bautechniken lassen das Modell als „nächsten Schritt“ zur Schmiede erscheinen. Nicht ohne Schlaglöcher: Eine Verbesserung war bei Schritt 1-7 angebracht, hier wurde die braune 1×1 Fliese durch einen 1×1 Platte aus der Grabbelkiste, aber in derselben Farbe, ersetzt. Warum? Das in Bauschritt 1-8 anzubringende, goldene Gitterrost wird so einfach fester gehalten. Ein wenig Mecker hatten wir auch bei Schritt 2-12, denn das aller oberste Teil (ein goldfarbener Minifiguren-Kopf) sass recht labberig. Nicht sofort wegfliegend, aber eben auch nicht wirklich fest – was an einer Stelle, an der schon mal ein Ärmel entlang streifen kann, einfach nervt.

Insgesamt ein hübsches Gebäude, dessen Inneneinrichtung wirklich an traditionelle chinesische Apotheken mit ihren Wandschränken erinnert. Leider erinnerte mich auch die zahlreiche Zier mit goldenen „Zähnen“ an die Verwendung von Rhinozeros-Hörnern als Potenzmittel in der Traditionellen Chinesischen Medizin … und da werde ich doch etwas grummelig. Das Werbebanner am Gehsteig ist etwas unglücklich angebracht – von Passanten wäre es schlecht zu sehen. Aber das ist jetzt schon Jammern auf sehr hohem Niveau, gebe ich zu.

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 326 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – keines
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – 1
  • Reserveteile – keine
Taverne – 01101-C

Man findet einige neue Elemente in der Box, und sogar ein sehr schön bedrucktes Weinfass für die Kundenwerbung. Bei Schritt 1-6 mussten wir das Fehlen einer runden 1×1-Platte feststellen, zum Glück haben wir noch einige davon in der Grabbelkiste, also einfach weitergebaut. Ein später vermeintlich fehlendes Element dagegen fand sich nach kurzer Suchaktion auf dem Fußboden wieder ein … zum Glück war hier kein gemusterter Teppich!

Eine Überraschung bot Schritt 2-8, denn eine von den vier roten „invertierten“ Schrägen ließ sich partout nicht aufsetzen. Nachdem sich schon fast Hornhaut auf dem Daumen gebildet hatte und das Vokabular and Flüchen in die Wiederholung ging, war eine nähere Untersuchung angesagt … und siehe, im Innern des Elements war ein deutlicher, recht massiver Grat, der jeder Noppe den Eintritt verwehrte. Das grobe Messer gezückt, etwas rumgesäbelt, passt. War uns vorher noch nicht passiert, und es sah nach einem echten Formfehler aus.

Mit seiner Inneneinrichtung (angedeutet, aber überzeugend) ist dies ein hübsches Gebäude, an die Tavernen in jedem zweiten Kung-Fu-Film erinnernd. Wobei natürlich selbst Jackie Chan kaum barfuß auf Klemmbausteinen herumhüpfen wird. Sehr schön fand ich persönlich das bedruckte Weinfass (im Prinzip ein schwarzer Minifiguren-Kopf), solche Details lassen einem einfach warm ums Herz werden. Nicht ganz so warm wie nach einem Schluck Moutai, aber ein Anfang ist immerhin gemacht. Und im Innenraum gab es sogar noch ein zweites bedrucktes Fässchen, das aber auf Basis eines einfachen, runde 1×1-Steines.

Zusammengefasst:

  • Teilezahl – 402 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – 1
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – keine
  • Reserveteile – 8
Juwelier – 01101-D

Das kleine Juweliergeschäft hat einen etwas anderen Baustil als die vorherigen Gebäude, und kleine Mängel im Konzept. Etwas ungewohnt sind die zwei effektiv freistehenden Giebel des Hauses, wobei der rechter Hand zumindest durch den Anbau etwas stabilisiert wird. Der linke Giebel dagegen steht relativ wackelig da, und hat nicht einmal einen Stein mit Loch zur Aufnahme der eigentlich üblichen Verbindungszapfen … was bei der von Xingbao vorgegebenen Aufbaureihenfolge des Straßenzuges dann doch etwas verwundert. Gut, ob es stabil genug wäre? Egal, wir haben es so gelassen, andere Bastler mögen hier die Grabbelkiste bemühen.

Im Schritt 2-8 hat sich ein Fehler eingeschlichen, denn so klappt es nicht … folgt man stur der Bauanleitung, lässt sich die angedeutete Fensterfront nicht wirklich installieren. Die horizontalen Gitter sitzen zu niedrig, das Gesamtteil lässt sich nicht wirklich festdrücken. Lösung: Die nach Bauanleitung oben anzubringende 1×2-Platte schlicht nach unten setzen, schon klappt es. Hier scheint das digitale Design nicht wirklich mit echten Klemmbausteinen auf die Probe gestellt worden zu sein. Die grössere Überraschung folgte dann aber im Schritt 2-10. Die auszusetzende 1×6-Platte schwebt links und rechts in einem wenig sinnvoll wirkenden Abstand über dem Unterbau. Soll das so sein? Blick auf den Karton … nein, da sind zwei rote „Schilde“ oder „Klauen“ zu sehen, rechtwinklig an 1×1-Platten angegossen (siehe Bild unten). Teile, die auch im Xingbao-Sortiment sind, aber im Set (und in der wahrscheinlich der Packliste zugrunde liegenden Bauanleitung) vergessen wurden. Da wir keine solche Steine in der Grabbelkiste fanden, wurden sie mit zwei 1×1-Platten in rot ersetzt, sieht auf jeden Fall besser aus als die Lücke.

Insgesamt weiß das Juweliergeschäft zu gefallen, aber der etwas instabile Aufbau und die Fehler in der Bauanleitung sind ärgerlich – unerfahrene Bastler könnten Frust schieben. Positiv wäre dagegen anzumerken, dass der etwas andere Baustil des Gebäudes für Abwechslung sorgt – die Strasse wirkt umgehend etwas lebendiger, natürlicher. Übrigens hatte der Karton, trotz der eigentlich sehr guten Verpackung bei BlueBrixx, einen deutlichen Knatscher oben links (im Bild auch zu sehen). Wohl nicht auf dem Transportweg hierher passiert, dagegen sprechen die Indizien. Nun ist mir das recht egal, aber die Kartonfetischisten unter den AFOB würden ob des radikal gesunkenen Wiederverkaufswertes des Sets ein grosses Lamento beginnen.

Zusammengefasst:

  • Teilezahl – 350 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – laut Bauanleitung keine, nach Kartonbild 2
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – 2
  • Reserveteile – 1

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