Xingbaos chinesische Stadt wächst

Wieder sind es insgesamt vier Gebäude, die den zweiten Teil der kleinen Chinatown-Serie (teilweise auch als Zhong Hua Street, also in etwa „Chinesische Strasse“ bezeichnet) von Xingbao bilden. Wie im Gebinde 01101 entstehen traditionell gehaltene Häuser auf einer Fläche von jeweils 10×10 Noppen, mit (in der Regel) einer modularen Verbindungsmöglichkeit an den Seiten. Das Komplettpaket unter der Seriennummer 01102 wurde von mir für rund dreißig Euro bei BlueBrixx erworben. Und hier folgt mein Resümee …

Auch hier gibt es insgesamt an den Modelle wenig zu meckern – sie sind zwar stilisiert (und dabei teilweise mit etwas zu großem Zubehör ausgestattet), aber erwecken ebenfalls gut den Eindruck einer altmodischen Strasse in China. Die Bauanleitung … das alte Problem, man braucht gutes Licht (Farbdarstellung! Details!), dazu gute Augen oder Lesebrille (Alles sehr klein!). Mehr zu den einzelnen Sets im Gebinde folgt.

Wangjiang-Turm – 01102-A

Manchmal wundert man sich schon: Schritt 1-3 … das soll stabil sein? Der sich hier zeigende Abgrund wurde mit einem 1×4 Stein (halb unter der dunkelgrauen 2×8-Platte) und einer 1×2 Platte unterfüttert, damit die große hellgraue Platte (4×8) im nächsten Schritt besser hält und sich nichts durchbiegt. Notwendig? Nicht unbedingt, aber mir lieber so. Mein nächster Moment des Stutzens war dann im Schritt 2-7, wo die goldenen Knöpfe nicht symmetrisch eingesetzt werden. Machte für mich keinen Sinn, weder bautechnisch noch optisch, also wanderten alle vier Knöpfe an die äußere Ecke des Daches.

Insgesamt habe ich an diesem Set aber sonst nichts auszusetzen … außer dem Namen. Wer genau hinsieht, der stellt einen wesentlichen Unterschied zum Vorbild fest. Xingbao liefert drei Stockwerke, der in Chengdu stehende Origunalbau aber hat vier Stockwerke. Ich weiß, kann man selber ergänzen, aber ich halte das für etwas problematisch. So, wie der Turm jetzt dasteht, passt er gut in die Reihe der anderen Modelle, dominiert nicht sofort. Aber als Darstellung des echten Turmes funktioniert er schlicht nicht – man hätte eine mehr generische Bezeichnung wählen können, dann wäre auch ich alter Mecker-Zeus ruhig.

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 367 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – keine
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – 2
  • Reserveteile – 21
Stoffgeschäft – 01102-B

Der Stoffladen, der vielleicht auch eine Schneiderwerkstatt ist, gab mir ebenfalls zu denken. Bei Schritt 1-3 musste ich erstmal grübeln … die abgebildeten 15 1×2 Steine mit Maueroptik waren so gar nicht im Set. Denn statt der neueren, beidseitig spiegelverkehrt geprägten, Steine hatte Xingbao die alten Lego-Kopien beigelegt. Und die haben nur auf einer Seite das Mauermuster, auf der anderen einen Mittelstrich horizontal (… und sind somit wesentlich unflexibler einsetzbar). Kein Problem bei dieser Konstruktion, bei grösseren Modellen habe ich mich in ähnlichen Fällen schon mehr geärgert. Das Aufsetzen der Dächer erforderte bei der filigranen Konstruktion der Wände etwas Fingerspitzengefühl, den Gummihammer sollten etwas rabiatere Baumeister weit weg legen.

Wo kann das Modell, abgesehen vom sehr gefälligen Gesamteindruck, so richtig punkten? Genau, Prints – hier wurden Steine bedruckt, dass es eine wahre Freude ist. Die als Werbung aushängende Stoffmuster sind zwar meist einfach gehalten, aber wirklich eine Bereicherung.

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 413 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – keine
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – keine
  • Reserveteile – 15
Bibliothek – 01102-C

Ein sehr schönes, aber auch in Teilen problematisches Modell. Dennoch nichts, was man nicht hinbiegen kann. Folgt man der (gewohnt kleinen) Bauanleitung Schritt für Schritt, sollten eigentlich keine Schwierigkeiten auftreten – wenn man etwas mitdenkt. Denn einige Anpassungen machen Sinn. Und das geht bei Schritt 1-1 los, denn die Anordnung der Grundplatten ist nicht ideal. Dreht man die zwei Platten in 90 Grad in Uhrzeigerrichtung, legt also die 4×10 nach hinten, wird der Bau insgesamt stabiler. Wahrscheinlich würde das Modell am Ende auch in der vorgegebenen Konfiguration halten, mir erschien es aber als zu viel Risiko. Im Schritt 1-5 gefiel mir die Anordnung der Mauerkronen nicht – nach Vorgabe ist die linke Seite durchgängig, die Rückseite weist einen „verdrehten“ Stein auf. Gut, einen Tod muss man sterben … aber da die linke Seite eher durch ein benachbartes Gebäude verdeckt wird, erschien mir die Rückansicht wichtiger. Also die Mauerkrone auf der Ecke schlicht um 90 Grad gedreht. In Schritt 1-9 fehlte ein weißer 1×1 Stein, ich habe ihn ersetzt … um dann festzustellen, dass sich ein überzähliger Stein dieser Sorte in einer später geöffneten Tüte (aus der zweiten Baugruppe) fand. Zufall? Naja, hebt sich also am Ende auf. Den Pinsel in Schritt 2-6 habe ich „Borsten nach unten“ montiert … erschien mir einfach logischer.

Was mir an diesem Set besonders gut gefiel, war die optische Ausstattung mit einem Hof und einem Baum, unter dem man sicherlich gut philosophieren kann. Irgendwie versprüht die „Bibliothek“ so mehr als das Flair einer Stadtbücherei, hat etwas von einer echten Bildungseinrichtung und einem Treffpunkt der Intellektuellen. Man sollte sie also vielleicht in der Nähe einer Taverne aufstellen, wo dann die Gespräche mit frisch geölter Stimme fortgesetzt werden können.

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 366 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – keines
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – keines
  • Reserveteile – 11
Teehaus – 01102-D

Ein gelungenes, wenn auch frustrierenden Modell. Die modulare Verbindungsmöglichkeit ist auch hier gegeben, das Gebäude ist jedoch als Eckhaus konzipiert und so nicht wirklich universell einsetzbar. Und war das erste Set aus der Reihe, bei dem ich so richtig kräftig fluchte.

Dieses Set hat eine der instabilsten, beim Weiterbau immer wieder zum Zusammenbruch tendierenden Stockwerks- und Dachkonstruktionen. Zu wenig Kraft und alles sieht schief aus, zu viel Kraft und man fängt wieder von Vorne an. Hier das goldene, und sich immer wieder ändernde, Mittelmaß zu finden … eine Geduldsaufgabe. Das beginnt in Schritt 1-10, wo der normale Baumeister garantiert zum Abbruchunternehmer wird, denn die aufzubringenden Platten hängen viel zu sehr in der Luft. Im Mini-Maßstab vielleicht nicht anders zu lösen, aber dennoch nervig. In Schritt 2-3 tauscht man am besten die hintere 3×3 und die 1×3 gegeneinander aus, das macht es wenigsten etwas stabiler.

Als Modell ist das Teehaus gefällig, aber durch die Eckkonstruktion wird es etwas problematisch – so möchte ich es einfach mal zusammenfassen. Dass auch ein Teil der Stabilitätsprobleme durch eben diese Eckhaus-Idee begründet sind … macht das Set auch nicht sympathischer. Für mich ist das Teehaus daher das schwächste Modell der Xingbao-Miniserie bisher. Nicht schlecht, aber es gab schon sieben bessere …

Zusammenfassung:

  • Teilezahl – 356 kompatible Klemmbausteine
  • Fehlteile – keine
  • Selbst zusätzlich ergänzte Teile – keine
  • Reserveteile – 13, davon eine dunkelgraue 6×10 Platte (!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.