Vermeidbarer Ärger wegen Mao-Bild

Das Ganze war von BB Services und Gaststar „Olli“ (Ouxi Li) zwar gut gemeint, aber nicht wirklich gut durchdacht … ein Videobeitrag zu einem Klemmbaustein-Modell rutschte schneller ins Politische ab, als man „Kommunismus“ sagen konnte. Für den Verursacher keine Überraschung, wie er selbst eingestand. Aber musste das sein? Und warum ging es überhaupt?

Es ging um die rote Pracht, die BB Services vertreibt: Ein Modell des „Tor des Ewigen Friedens“ in Nanoblock-Größe von YZ-Diamonds (oder XKS, ich hatte schon mal darüber gegrübelt), das auch bei mir der Fertigstellung harrt:

Im Auge des Sturms – das Tor des Himmlischen Friedens

Das allein triggert schon … denn statt dem deutschen Namen verwendete man im Video die chinesische Bezeichnung: Tiananmen. Und da kommt automatisch Unruhe und bei manchen Menschen eben auch Unmut auf. Denn Tiananmen, das verbinden viele seit 1989 nun einmal nur noch mit einem einsamen Mann, der Panzer stoppt. Und so weiter. Also wurde schon gleich prinzipiell ein Fass aufgemacht. Bausatz böse, weil … da ist irgendwann einmal in der Nähe etwas passiert. So, wie man sich auch laufend über immer neue Bausätze des Brandenburger Tors echauffiert, weil da Hitler seine Paraden abhielt, einmal ein Hakenkreuz drauf prangte. Ähm, ja, macht niemand. Aber beim Tor zur Verbotenen Stadt geht es lustig los. Das wird dann auch schon mal als Monument für Mao bezeichnet … als das Originaltor 1417 gebaut wurde, hatte man definitiv Weitsicht gezeigt. Originaltor? Ja, das heutige Gebäude ist die dritte Version.

Wie auch immer, für mich ist es ein Gebäude aus der Ming-Dynastie, mehr erstmal nicht. Allerdings fiel auch mir schnell ein Detail auf, das definitiv fehlt. Hier einmal zum Vergleich ein Bild des echten Tores:

Das Tor im typischen Dunst von Beijing

Genau … in der Mitte prangt ein Konterfei des Großen Vorsitzenden Mao Zedong, immer noch eine Ikone des chinesischen Kommunismus, selbst wenn man heute einräumt. er habe auch Fehler gemacht. Das geht nach der Deng-Formel: 70 % von Maos Handlungen und Entscheidungen waren für China gut, 30 % nachteilig. Genaue Definition? Je nach politischer Lage.

Min erster Gedanke, als ich das sah (und auch im Paket keinen Mao fand): „Mach ich selber, denn so kenne ich das Tor!“ Warum der Hersteller den Mao herausretuschiert hat? Ouxi Li murmelt im Video etwas von „Portrait des Staatsoberhaupts darf nicht zu kommerziellen Zwecken verwendet werden“ – angesichts des überall in China angebotenen Mao-Ramsches halte ich das für eher zweitrangig. Könnte nicht eher eine kommerzielle Erwägung anderer Art dahinter stehen, dass man die Käufer außerhalb der Volksrepublik nicht verschrecken will?

Egal, denn jetzt lieferte Ouxi Li den Klemmbaustein des Anstoßes, sein eigenes Mao-Bild:

Gleich mit der klassischen Begründung: „Das ist ein Modell, das muss detailgetreu sein.“ Dieselbe Begründung, mit der Leute fatalerweise auch ein Hakenkreuz auf ihrem Klemmbaustein finden wollen. Mit dem feinen Unterschied: Es gibt kein Gesetz, dass das Bildnis des Mao Zedong in Deutschland unter Strafe stellt. Also, warum nicht … ich werde es auch machen.

Aber mich stört etwas, dass BB Services hier eben nicht das Modell OOB (out of the box) zeigt, meinetwegen ohne jeden Sticker. Denn diese Ergänzung hat dann auch wieder Proteste auf YouTube hervorgerufen – und das hätte man eben OOB vermeiden können. Zumal ja Ouxi Li in einem Kommentar selber sagt, er „habe geahnt dass man hier shit Storm erntet“. Warum dann erstmal den Wind säen?

Unterm berühmten Strich muss ich allerdings sagen, dass das ganze Theater mehr ein Sturm im Wasserglas war – was hier als Modell gezeigt wird, ist ein Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, das nichts mit der späteren politischen Entwicklung in China zu tun hat. Die wird allenfalls in den Propagandabannern deutlich, die das Tor zieren (der taiwanesische Markt dürfte damit flöten sein, Mao hin oder her). Aber wen die Volksrepublik stört, wer einen auf kaisertreu machen will, der kann ja diese Banner auch einfach weglassen. Und wer China gar nicht unterstützen will, der kauft das Set ebenso wenig wie ich früher Obst aus Südafrika.

Wie auch immer … BB Services kann sich auf jeden Fall schon mal überlegen, wie sie den nächsten großen Knüller der chinesischen (?) Architektur vorstellen. Denn wenn beim Eingangstor der Verbotenen Stadt schon der Bär tanzt, dann kommen zu der Präsentation bestimmt Richard Gere und Tenzin Gyatso persönlich …

Ich besorg mir schon mal Popcorn …

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