Straßenszenen von Sembo

Manche Sets von Klemmbausteinen aus China sind plötzlich da und dann schnell wieder verschwunden … so auch die kleinen Szenen auf einer typischen chinesischen Strasse, die Sembo auf den Markt warf. Acht Szenen gab es, die erste Charge (vier Modelle) war blitzschnell ausverkauft. Was mit daran gelegen haben mag, dass die kleinen Modelle wirklich eine lohnenswerte Investition waren. Vor allem, wenn man irgendwann einmal ein Diorama etwa zusammen mit den Xingbao-Gebäuden bauen will.

In der zweiten Charge der Modellreihe geht es zu 75% um körperliche, zur einem Viertel um geistige Nahrung … und ein wirklich begehrenswertes Extra für jeden China-Freund ist auch dabei. Bautechnisch alle durchaus auf mittlerem Level, qualitativ sind die Steine recht hoch, und gefehlt hat auch nichts. Schauen wir uns die Modelle einfach mal an:

Sembos Nudelstand
Die Nudeln kommen mit dem Food-Truck … alles Handarbeit.

Was ist man ich China? Natürlich Nudeln, in Ewigkeit, Ramen! Auch wenn der Sack Reis sprichwörtlich sein mag, die Nudel steht ganz oben auf der Leckerli-Liste. Und hier hat Sembo dann einen echten Food-Truck geliefert. Also eine Art Schubkarren, der eine komplette Küche beinhaltet, und zu dem schlicht einfache Tische und Stühle für die Gäste gestellt werden. Man setzt sich, und Tantchen (阿姨 – Āyí) serviert blitzschnell. Alles in der Szene enthalten, mit qualitativ hochwertigen Abziehbildern aufgepeppt, und sogar die Flasche Sojasauce wurde nicht vergessen.

Statisch gesehen allerdings ist das Gefährt ein Graus, denn die relativ schwere Dachkonstruktion wird nur von zwei Noppen seitlich gehalten, und tendiert zu spektakulären Zerfallserscheinungen. Optisch 1A, aber keineswegs zum „Spielen“ geeignet.

Mal sehen, was wir uns heute für eine Suppe eingebrockt haben …

Wesentlich stabiler ist da der Suppenstand, der sich an eine Mauer lehnt und ein Segel als Regenschutz nutzt … dargestellt in bedrucktem Gewebe, durchaus überzeugend, aber irgendwie schlecht in Form zu bekommen. Aus Wurst, Lauch und Mohrrübe brodelt ein Gemisch im großen Topf, man bekommt fast schon Appetit.

Highlight dieses Sets ist jedoch der Wächterlöwe (石獅 – Shíshī), hier in männlicher Form dargestellt – ein Ball unter der rechten Pranke. Will man die weibliche Version haben, lässt sich das Modell recht einfach umbauen: Einfach die Vorderbeine austauschen und den Ball durch einen Junglöwen ersetzen. Oder so, die meisten Menschen werden mit spiegelverkehrten Beinen schon zufrieden sein. Die Konstruktion des Wächterlöwen ist durchaus interessant, und ich kann mir vorstellen, jetzt noch einige aus Eisen (Dunkelgrün) oder Bronze („Gold“) dazuzubauen, mit abgewandelten Sockeln. Man kann in einer chinesischen Szenerie nie genug Klemmbaustein-Wächterlöwen haben …

„Ihre Klöße sehen aber verdächtig nach Softeis aus …“

Kommen wir zu den heißen Hefeklößen … die verheißt zumindest das Ladenschild, auch wenn die darstellenden Bausteine mich immer eher an Softeis oder „Cupcakes“ erinnern. Gut, es gibt auch Baozi (包子) mit solch gedrehter Form (das Auge isst bekanntlich mit), aber ich habe meistens schlichte Kugeln bekommen. Passen auch ganz gut zu meiner Kugelform.

Technisch gibt es zu dem Set nicht viel zu sagen, auffallend ist das große Werbeschild samt Lampions und gelben Bommeln – die Teile kannte ich noch nicht, sie sind (obwohl beweglich) anscheinend aus einem Guss. Muss mich doch direkt mal auf die Suche machen, ob es die als Einzelteile gibt, denn solche Zier-Troddeln sind gerade in der Innenausstattung recht vielseitig einsetzbar. Eher unauffällig, aber wirklich gut gelungen, ist der Dämpfer.

Wandschmuck für Daheim … Handarbeit statt Ikea-Massenware!

Der letzte im Bunde ist kein Koch, sondern ein Kalligraph – linker Hand steht sein mobiles Studio in Rucksackform (kann richtig getragen werden), mit reichlich Bildern und Arbeitsproben macht er Werbung für seine Kunst (書法). An sich ein einfaches Set, bei dem allerdings reichlich Abziehbilder eine ruhige Hand erfordern. Wer genau hinsieht, findet auch alle vier Schätze des Gelehrtenzimmers (文房四寶 – wénfáng sì bǎo), die man heute an jeder chinesischen Souvenir-Ecke als „Kalligraphieset“ mitnehmen kann.

Kaufempfehlung?

Unbedingt … auch wenn ich warnen muss, dass die hier abgebildeten Figuren auf dem europäischen Markt (etwa bei den von BB Services angebotenen Sets) nicht enthalten sind. Die Ähnlichkeit zu einem dänischen Markenprodukt ist da denn doch zu gross. Für eine moderne Szenerie lassen sie sich aber durch Standardfiguren leicht ersetzen, die historische Einordnung der gezeigten Figuren ist am ehesten „Zeit der Republik“, plus-minus.

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