So ein Müll, ’ne Rechnung!

Man sieht sich immer mal wieder … bei der weit verstreuten Verteilung unserer Nachbarn ist das am ehesten „uff de Gass“ der Fall, gerne auch bei bestimmte Ritualen. Das beständigste davon: Am Vorabend der Abholung die Mülltonnen an die Strasse stellen. Und trifft man sich zufällig dabei, kommt nach dem Kurzschwatz über das Wetter meist die Klage über die hohen Müllgebühren. Und ich lächle dann immer leise in mich hinein. Und denke: „Selber Schuld!“

Wer es nicht weiß: In Irland muss man als einzelner Bürger dafür sorgen, seinen Müll weg zu bekommen.

Die günstigsten Methoden, wenn auch illegal, sind nach wie vor das Trash Fire (also alles zusammentragen und mit Brandbeschleuniger abfackeln) oder der kurze Wurf der prall mit allem möglichen Dreck gefüllten Einkaufstüte aus dem fahrenden Auto in die Hecke. Beides gerade im ländlichen Bereich bekannt. In der Stadt wird die Mülltüte einfach an der Straßenecke abgelegt, in den Kanal gepfeffert, oder in irgendeinen unschuldig herumstehenden Müllbehälter gestopft. Ist man weniger Arschloch, aber dennoch preisbewusst, kann man Müll auch selbst zur Deponie bringen. Kostet Geld und Zeit. Am bequemsten ist nach wie vor die Müllabfuhr.

Aber Müllabfuhr in Irland, das ist gutes Geschäft von konkurrierenden Anbietern – wartete man in Germanien noch am Montagmorgen auf den von der Gemeinde beauftragten Entsorgungsunternehmer (so war es bei mir vor dem Umzug), so kann man in Dublin mit täglicher Leerung rechnen. Montag kommt der rote Laster, Dienstag der gebe, Mittwoch der grüne … jede Firma bedient ihre Kunden nach einem eigenen Zeitplan, jeder Bürger muss sich selber einen Dienstleister suchen. Allein hier am Ende der Welt stehen vier zur Auswahl. Und jeder hat eigene Tarife, eigene „Extras“, einen manchmal sehr eigenen Servicegedanken. Irgendwann beginnt man, zu verzweifeln … also, wir taten es, der Rest der Strasse scheint, einmal an einen Vertrag gebunden, kaum nach Alternativen zu suchen.

Klagt aber ständig und laut, wie teuer alles sei.

Stimmt. Selbst mit einer kleinen Tonne will uns etwa Abfallriese Oxigen pro Jahr € 288 aus der Tasche ziehen, und viele Nachbarn haben die „Grosse“ zu satten € 360 im Jahr, weil … da wird ja der einzelne Liter billiger. Verquere Logik, wenn bei den meisten der alle zwei Wochen stattfindenden Leerungen die Tonne gar nicht voll ist. Die Pauschaltarife, sozusagen all you can trash, der anderen Anbieter sind ähnlich.

Aber es geht auch anders, und da kommt der Pfennigfuchser in mir durch. Nach etwas Recherche und Rechnerei sind wir zum mehr örtlichen Anbieter Wilton gewechselt, und haben unsere Rechnung trotz grosser Tonne und alle 14 Tage vorfahrendem Müllwagen leicht gedrückt.

Kosten im Jahr 2019 insgesamt € 88, also rund 75% billiger.

Wie geht das? Nun ja, pay as you throw away … Wilton kassiert eine monatliche Grundgebühr von sechs Euro, dafür kommt dann alle zwei Wochen das Entsorgungsteam angetuckert. Und pro entleerter Tonne mit 240 Litern Fassungsvermögen (unterhalb eines Gewichtslimits) zahlt man dann extra, € 11,50 für Hausmüll, € 4,50 für Recyclingmaterial. Wer jetzt mitrechnet … stimmt, wir haben 2019 nur einmal die Tonnen leeren lassen. Wobei 26,5 kg Hausmüll und 20,5 kg Recyclingmaterial entsorgt wurden. Weswegen ich zu hohen Müllgebühren nochmal sage: „Selber Schuld!“

Wir sind beileibe nicht von der Sorte Mensch, die im Supermarkt alle Verpackungen abreißen, die Gemüse nur im Jutebeutel nach Hause schleppen, und die sich vom Wasser aus dem Brunnen laben lassen. Aber: Wir entsorgen etwa Plasteflaschen, Altglas und Getränkedosen gezielt an den öffentlichen Abgabestellen. Und wir produzieren gegen Null „Bioabfall“ – dass bei uns etwa Lebensmittel weggeworfen werden, ist schon rot im Kalender anzustreichen. Trotz einer Vorratshaltung, die manchem übertrieben scheinen mag, und die manchmal auch das Mindesthaltbarkeitsdatum überschreitet. Nur: Wenn der im Kühlschrank gelagerte Käse versehentlich eine Woche (oder auch mal zwei bis vier) über das Datum ist, dann wird er inspiziert und in der Regel verputzt. Nicht „wie gekauft“ in die Tonne getreten. Allenfalls bei Geflügelprodukten sind wir sehr, sehr vorsichtig.

Apropos „treten“ … es ist unbeschreiblich, wie schnell so Tonnen sich füllen. Es ist aber noch unbeschreiblicher, wie man den vermeintlichen Müllberg durch etwas Druck von oben radikal verkleinern kann. Blechdosen etwa kann man mit einem Fußtritt auf ein Zehntel des Volumens reduzieren. Nach meiner Beurteilung entsorgen die meisten Menschen Luft. Wiegt nix, macht die Tonne voll, und der Dienstleister lacht sich einen goldenen Ast.

Aber ich gebe es zu, dieses Jahr wird es teurer … unsere Leerungen werden sich 2020 wohl um 100% erhöhen. Was dann einer Jahresgesamtrechnung von € 104 entsprechen wird. Das liegt einfach am Intervall, nicht an mehr Müll. Und der Nachbar, der zahlt immer noch € 360, bei gleicher Haushaltgrösse und (dem Geruch nach zu urteilen) der Verbrennung einiger suspekter Abfälle im Ofen.

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