Meine Beichte … „Guilty Pleasures“

Neulich hatte ich ja schon mal eine Top Ten präsentiert, die etwas aus dem Rahmen fiel: Musik mit persönlichem Erinnerungseffekt. Mittlerweile kam mir aber der Gedanke, dass auch die Sparte Guilty Pleasures interessant ist – also Musik, die man gerne hört, zu der man sich aber nicht unbedingt bekennt. Also Zeit für eine neue, ganz persönliche Hitparade … und ja, einige dieser Künstler waren auch bei Dieter Thomas Heck zu sehen.

Einige einzelne Songs, einige Gruppen, einmal auch ein ganzes Genre – das kommt in meine engere Auswahl. Kriterium dabei: Bleibender Eindruck! In neun von zehn Fällen positiv, bei 10% so skurril, dass ich es schlecht nicht vergessen kann. Aber genug der Vorrede, lassen wir meine „schuldige Lust“ einmal vorbeiziehen. Ohne besondere Reihenfolge.

Aphrodite’s Child und Demis Roussos

Beseitigen wir gleich den Elefanten im Raum … ja, ich mag Demis Roussos, ob als Frontmann der griechischen Prog-Rock-Combo Aphrodite’s Child (wo auch Vangelis mitmischte), oder später, solo, als das singende Campingzelt. Gewiss war er keine Schönheit, und auch sein Falsett-Tenor war gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie hatte er was. Und wer konnte schon so schön theatralisch gestikulieren? Also, Daumen hoch für den bärtigen Dicken. Vom bärtigen Dicken.

Sweet

Eigentlich waren sie das Aushängeschild des Bubblegum Pop, dann führende Vertreter des Glam Rock, dann mehr durch den Alkoholkonsum des Frontmannes Brian Connolly in Erinnerung. Zugegeben, bei „Papa Joe“ und „Wig Wam Bam“ erinnere ich mich mehr an Jugendzeltlager denn an echten Musikgenuss. Aber spätere Werke hatten durchaus ernst zu nehmende Anklänge. Und einige kann man auch heute noch als ergrauender Rockfan ohne Grausen hören.

Eye Level

Für mich ein Klassiker … und dabei nur von einem Studiomitarbeiter bei Thames Television aus dem Musikarchiv rausgewühlt, und als Titelmelodie der britischen Krimiserie „Van der Valk“ für gut befunden. Und jedesmal fuhr Barry Norman durch Amsterdam … während die von Jan Stoeckart auf Basis eines Kinderliedes geschriebene Musik irgendwo zwischen Bombast und Folklore erklang. Und, was soll ich sagen, ich mag das Lied heute noch.

Italo-Pop

Ein ganzes Genre … abgesehen von den Urlaubs- und Sommerhits ist die reiche Welt der italienischen Popmusik meist unbekannt. Weswegen man auch immer wieder neue Sachen entdecken kann, als Gelegenheitshörer. Ob im italienischen Fernsehen, oder im Kaninchenloch YouTube, wo man an die Hand genommen und immer weiter in die Materie eingeführt wird. Gut, ich hatte (angeheiratete) italienische Verwandte, das mag auch etwas mit reingespielt haben. Egal …

Convoy

Es war die große Zeit des CB-Funks, und jeder Fahrer eines Hanomag-Lieferwagens fühlte sich wie ein Asphaltcowboy, der auf achtzehn Rädern in den Sonnenuntergang fährt … und dann kam dieser Song. Und wir alle gingen mit der Gummiente auf Bärenjagd. Belanglos, letztlich eine reine Männersache, und vollkommen politisch unkorrekt in so, so vielen Punkten. Doch, doch wenn ich heute das Lied höre, dann singe ich den Refrain mit, und bin bei den Funksprüchen auch noch textsicher. 10-4!

Hans Hartz

Er war der nette Kerl von nebenan, der nach einer vollkommen verkrachten Karriere von Husum aus mit einem germanischen Joe-Cocker-Sound nordische Lebensart beschrieb. Oder so. Jedenfalls sprach sein „Sturm“ zu mir. Und als er friedensbewegt Marie ansang, oder als er ein Bremer Bier bejubelte, da war er zwar kein Genie, aber eben auf einer Wellenlänge. Und als ich vor einigen Jahren im schönsten Sonnenschein mal wieder durch die da gar nicht so graue Stadt am Meer wanderte, wünschte ich mir den Sturm herbei.

Bee Gees

Ja, ist so … nicht alles, aber doch eine Menge. Irgendwie hatten die Brüder von der Isle of Man ein glückliches Händchen. Und auch wenn sie, wie schon Werner anmerkte, oft wie sechs Eier zwischen Wackersteinen klangen, sie schufen eingängige Melodien und großartige Harmonien. Selbst den Soundtrack zu Saturday Night Fever kann man ihnen heute verzeihen, ist er doch auch ein Klassiker geworden. Und ideal für die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Ha-ha-ha-ha-stayin‘-alive-stayin‘-alive …

沧海一声笑 – Cang Hai Yi Sheng Xiao

Da lacht der Seemann … „Lautes Lachen auf dem weiten Meer“ ist eine Übersetzung des Titels, und das Lied kennt in China wirklich jedes Kind. Ob in der Version aus Swordsman (einem meiner liebsten Wuxia-Filme), oder in der eher rauen Variante von Voodoo Kungfu. Und beim Refrain „La-la-la-la-la …“ stimmen alle mit ein. Selbst im irischen Lidl, wo mein Handy mit eben diesem Klingelton loslegte und eine Truppe Chinese erst verdutzt guckte, und dann lautstark los-la-la-te!

Fiede Kay

Das letzte Mal live habe ich ihn beim Frühschoppen auf den Glückstädter Matjeswochen gesehen … Fiede mit Hintergrundmusik von CD, kaum jemand interessiert. Schade. In den 1970en war er im Kielwasser von Knut Kiesewetter zu einer Art Ikone der norddeutschen Volksmusik geworden, ohne Star-Allüren, mit altem Liedgut und neuen Sachen. Mit angenehmer Stimme und, vor allem, in „unserer“ Sprache. Dass er dazu auch noch manchmal irische Folklore einplattdeutschte … Bonus!

Moranbong Band

Okay, eine Zufallsentdeckung … und wie ein schwerer Verkehrsunfall: Man will nicht, aber man schaut immer wieder hin. Die Antwort Nordkoreas auf die Pussycat Dolls, handverlesen vom Chef selber, soll dem eher abgeschotteten Land Popkultur auf internationalem Niveau bringen. Musikalisch sind die Damen sicherlich recht firm, aber in Sachen Kostümierung und Text müssen sie vor der internationalen Karriere nochmal nachdenken. Dennoch: Unschlagbar!

Könnte ich noch andere Dinge anhängen? Klar … es ist irgendwie nie vorbei. Und wer mich gesehen hat, wenn Billy Idol loslegt, der vermutet wahrscheinlich Schlimmeres. Mal sehen, vielleicht nehme ich auch dazu mal Stelung.

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