Licht am Ende des Tunnels – warum man mal „Downsizen“ sollte

Wenn ich so zurückdenke, dann habe ich immer Zeug angesammelt … Modelle, Bücher, Tonträger, Gadgets, Krimskrams … und mehrfach im Leben musste ich mich großzügig von Sachen trennen. Etwa bei Umzügen, bei Trennungen, im ganz großen Stil bei der Umsiedlung nach Irland. Und immer wieder habe ich festgestellt, dass dieses „Downsizing“ eigentlich ganz gut ist, man Ballast abwirft, man sich wieder freier bewegen kann. Und jetzt bekam ich den Rappel – und ging sogar freiwillig dran.

Startpunkt Arbeitszimmer: Schon seit vielen Monaten lag ein Stapel Regalmaterial („Hejne“ von Ikea) herum, sollten die billigen (und sich biegenden) Bücherregale aus Laminat durch dieses ebenso billige, aber solidere und vor allem mehr Platz bietende System abgelöst werden. Dazu der alte Desktop-Computer verschwinden, ebenso der eigene Tisch dazu – der war immerhin noch für einen Monitor mit Bildröhre konzeptioniert und dementsprechend ausladend in der Tiefe. Guter Plan, und Kaufen bei Ikea macht ja auch Spaß. Vor allem mit schwedischen Fleischbällchen als Pausensnack. Aber dann schlägt wieder, unaufschiebbar, mein Hang zur Prokrastination zu. Und die Materialberge wachsen, man kommt kaum noch durch. Bis ich mir jetzt sagte: „Im Mai wird das erledigt!“ Ja, lachen Sie ruhig, andere Leute schaffen das an einem Nachmittag … aber man muss das Material ja auch sichten und sortieren.

Wobei ich dann reichlich Sachen fand, die irgendwie von meinem Radar verschwunden waren. Unbewusst war mir klar, dass da etwa noch die Lego-Versionen des Yellow Submarine und der Tardis lagerten, aber aus den Augen, fast aus dem Sinn. Und vor allem nicht mal eben an einem regnerischen Nachmittag erreichbar. Dieses Hobbyzeugs, reichlich noch zu digitalisierendes Bildmaterial für das Blaulichtarchiv, und natürlich Hunderte von Büchern, CDs und DVDs stapeln sich nun im Hausflur. Zeitweise, wie ich Herself mit meiner ehrlichsten Miene versichere.

Aber auch an das Recycling wird gedacht – so brauche ich einen zweiten Tisch, um Hobbies und Beruf zu trennen. Und nach einigem Nachdenken beschloss ich, den voluminösen Computer-Tisch umzuwidmen. Einige Teile werden demontiert, und eine bessere Tischplatte (Bambus, von Ikea) soll drauf. Also Upcycling, mir auch viel lieber. Zwei Buchregale an einer Seitenwand werden mit demontierten Regalbrettern ihrer nicht länger benötigten Kollegen ergänzt und künftig ausschließlich DVDs aufnehmen (die dann aus dem Wohnzimmer verschwinden). Und eines der alten Regale kann (wahrscheinlich) sogar neben der neuen Installation bestehen bleiben, einen sonst wegen einer Tür und zu grosser „Hejne“-Tiefe ungenutzten Eckbereich sinnvoll nutzen. Oh Freude, welch Glückes Geschick! Weg muss damit nur noch ein Regalkorpus, wenn ich aus dem nicht doch noch eine vertikale Ergänzung zu anderen Regalen bastel. „Zero Waste“ ist irgendwann unser Fernziel.

Der nächste Gedanke? Die Überlegung, wovon ich mich trennen könnte, und unter welchen Bedingungen. Da wären reichlich Bücher, mit denen Bekannte mehr anfangen könnten als ich mittlerweile. Und auch einiges Hobbymaterial, das zunächst heiß begehrt wurde, dann aber in Ungnade fiel. Was kann man für eine komplette Sammlung „Doctor Who“ in 1/48 verlangen? Wer nimmt sie einem ab? Viele dieser Überlegungen werden auch durch das anfallende Porto beeinflusst … das Leben auf einer Insel hat definitive Nachteile. Allerdings habe ich auch kein Problem damit, andere Sachen auch einfach zu verschenken, an Freunde, oder an mir nahe stehende Gemeinnützige. Und, bedrückend, den schon mal angesprochenen Hamstervorrat an ungebauten Modellen habe ich mittlerweile nicht verkleinert, im Gegenteil

Wie auch immer, es ist Licht am Ende des Tunnels, das Chaos lichtet sich, Spreu wird von Weizen getrennt, und auch der Dachboden füllt sich. Trotz Wikipedia ist das 24-bändige Lexikon aus den 1990ern zum Wegwerfen irgendwie zu schade. Und auch der Duden und andere Nachschlagewerke haben noch immer in Griffweite ihre Daseinsberechtigung. Die Sammlung von VHS-Kassetten und das dazugehörige Gerät dagegen … noch mal rumfragen, sonst ab zum Recyclinghof.

Das Gute an der Sache: Wenn man sich von Dingen trennt, die man teils seit einem Dutzend und mehr Jahren nicht vermisst, ja nicht einmal mehr wahrgenommen hat … bekommt man den Kopf frei für andere Dinge. Und Platz, die dann wieder zu horten. Ich höre schon Elton John: „It’s the ciiiiiiiircle … the circle of life!“