Kleinkram von Atco

Als ich kürzlich mal wieder bei Dealz einkaufte, fielen mir in der Spielzeugecke ein Jet und ein Mähdrescher auf, aus Klemmbausteinen … nicht unbedingt die grössten Sets, und von der mir bislang vollkommen unbekannten Firma „Atco“. Aber beim Standardpreis von € 1,50 siegt die Neugier. Kompatibel sollen die Steine ja zur Not so oder so sein. Also eingesackt. Und bereut?

Naja, nicht ganz … oder so. Der Markenname Atco existiert laut Packung auch als „Tatco“ (die dazugehörige Webseite funktioniert aber nicht), und „tat“ ist im Englischen in etwa „Schund“. Ganz so schlimm ist es aber nicht, wenn man auch Abstriche machen muss. Immerhin: Auf der Rückseite der Packungen ist eine (winzige, aber brauchbare) Steineliste, so dass man gleich sieht, was man bekommt. Zu einem Steinpreis um die drei Cent.

Wie sind die Steine? Naja, mittlere China-Qualität, würde ich sagen – ich hatte insgesamt einen Fehlguss (ein Hinterrad, aber noch funktionsfähig), die Klemmkraft war in Ordnung, und die Farbtreue im jeweiligen Set brauchbar. Bedruckte Steine gab es keine, nur einfache Stickerbögen, die aber nicht unbedingt verwendet werden müssen. Der zum Mähdrescher war etwas eingerollt, aber auch noch zu verwenden. Was mir vor allem beim Mähdrescher auffiel: Es sind relativ viele ungewöhnliche Steine dabei, was vielleicht dem einen oder anderen Ersteller von MOCs entgegen kommt. Die Bauanleitungen sind übrigens durchweg gut und klar gestaltet. Und ja, die Steine sind kompatibel.

Aber nun zu den Modellen im Detail:

Der Mähdrescher (oder Maisernter?) ist, in aller Vereinfachung, eigentlich ganz gut gelungen. Etwas über siebzig Teile, die meisten in mittlerem Grün, lassen ein durchaus erkennbares Modell entstehen. Ideale Tischdeko für den Landmann … aber weniger zum Kinderspiel geeignet. Die Reifen sind schwergängig, und bei energischeren Schiebeversuchen dürften sich die Achsteile schnell vom Boden der Konstruktion lösen. Auch der Rest der Konstruktion ist nicht universell spielfreundlich. Und das Gefährt mag zwar das Ideal von „Six Wide“ erfüllen, ist aber in der Lego-Welt eigentlich zu klein. Die Figur … ne, sollte man den lieben Kleinen nur geben, wenn die Vierteilung spielen wollen. Für mich das wackeligste Kerlchen, was ich je in Händen hatte.

Das „Privatflugzeug“ positioniert sich irgendwo zwischen Learjet und X-Wing, nicht absolut schlecht, aber richtig warm werden kann ich mit dem Ding auch nicht. Immerhin garantiert die Bauweise ein herrliches Zerlegen beim Aufschlag … freut das Kinderherz dann vielleicht auch. Ein Teilespender, der sogar ein Extrateil hatte: Die grässliche Minifigur kam mit drei Händen.

Apropos Minifigur – wer jetzt an den Proportionen rumrätselt und einen Einsatz in der eigenen Klemmbausteinwelt erwägt:

Ganz klar, nicht nur optisch sind die keineswegs auf Lego-Höhe, auch die Dimensionen sind grundverschieden. Mögen aber als herumlungernde Teenies in dunklen Ecken taugen.

So, das war es zu Atco. Kaufempfehlung? Ja, wenn man die Steine gebrauchen kann, oder wenn man eine kompakte Erntemaschine neben dem Bildschirm im Büro braucht (die bei Diebstahl dann auch kein Loch ins Budget reißt). Als Mitbringsel für Kinder? Jein, denn der Spielwert der Modelle selber ist gering, und das Ganze ist eine etwas wackelige Angelegenheit.

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