Ist der Tod ein Meister aus Korea?

Ich koche gern – seit ist bei Mutter Thiessen in der 10. Klasse den Kochkurs belegte, bin ich am Herd recht firm. Und irgendwie hat die Arbeit mit Topf, Pfanne, Schneidgerät und so weiter auch etwas meditatives. Also werde ich jetzt ab und an über kulinarische Abenteuer berichten. Den Anfang macht aber ein Instantprodukt, ein koreanischer Nudeltopf zum Fürchten …

Schuld hatte Herself – die nämlich hatte bei unserem Stammlieferanten Asia Market in Dublin die Packung mit dem Vermerk „zweimal“ gesehen und in den Warenkorb geworfen. Weil, „das reicht dann für uns beide“. Ähm, das bezog sich auf die Schärfe der Soße, nicht die Größe der Nudelportion. Worauf dann kam: „Oh, doch nur eine Portion? Dann darfst Du das alleine essen …“

Naja, ich betrachtete mir also die Packung näher. Da stand etwas von der Scoville-Skala, und nach der war die Soße dann eben mehr als doppelt so scharf wie die schon als „scharf“ markierten, üblichen Produkte …

… wobei man aber bedenken sollte, dass 8.808 SHU nicht wirklich der Horror sind. Sambal Oelek (kennt man aus dem asiatischen Restaurant) erreicht schon bis zu 10.000, Jalapeños etwa 8.000, Tabasco-Sauce hängt mit bis zu 5.000 allerdings schwächelnd hinterher. Nun bin ich bekannt für scharfe Würze, also so weit noch nicht wirklich beunruhigt. Ich meine, frei verkäufliches Bärenspray (was Trump-Anhänger gerne friedlichen Protestlern ins Gesicht pusten) hat bis zu 300.000 SHU. Schmeckt aber Scheiße.

Beunruhigender ist da schon das Huhn auf der Packung … warum hat das die Frisur und Körperform von Kim Jong-un, und warum schleppt es eine Bombe mit sich herum?

Okay, schreckt mich auch nicht ab, also die Zutaten vorbereitet, während die Nudeln schon im Topf kochen: Von rechts oben im Uhrzeigersinn die Soße, eine frische Frühlingszwiebel zur Verfeinerung, der Rest einer Chorizo vom Polen (dito), Sesam und Seegras zum draufstreuen.

So, und nach rund acht Minuten sieht das Ganze dann so aus:

Ist doch optisch recht ansprechend, oder? Die Frage aber bleibt … ist der Tod ein Meister aus der koreanischen Küche, oder kann man diese Delikatesse auch als Langnase genießen? Da hilft dann nur die Probe auf das Exempel. Und siehe da …

Ne, ernsthaft … der erste Kontakt mit den Lippen ist ein wenig herbe, auch die Mundschleimhaut reagiert mit Initialzündung, aber das normalisiert sich nach einigen Sekunden. Der Nudeltopf bliebt scharf, aber ätzt einem nicht sofort den Unterkiefer weg. Und flutscht den Hals ohne Probleme runter, weder stellt sich sofort ein Schluckauf ein, noch muss man später andauernd aufstoßen. Im Gegenteil, nach dem ersten Schock nimmt man auch Geschmacksnuancen wahr, und wundert sich, wovor man eigentlich Angst hatte. Selbst befürchtete Spätfolgen mit dem kleinen Ulcus blieben aus, nicht einmal ein Ziepen im Magen.

Also empfehlenswert?

Jein … ist schon eine kleine Offenbarung, was man in Korea so erfolgreich auf den Markt werfen kann, aber eben nicht für jeden Gaumen oder Magen geeignet. Wer auch sonst nicht scharf isst, hätte den Nudeltopf wahrscheinlich nach dem ersten, vorsichtigen Bissen ins Klo geschüttet. Nochmal kaufen? Nein, die einfach scharfe Version reicht aus. Die hat auch schon Wumms.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.