Indizien, nach denen ich ein mörderischer Psychopath bin …

Ich habe es schon immer geahnt, in mir schlummern Abgründe. Allein beim Genuss britischer Fernsehserien kam schon der Verdacht auf … ob bei den Inspektoren Barnaby oder bei Lewis, taucht ein Hobbyist auf, ist er garantiert der Mörder. Oder mindestens das Opfer. Was mir jetzt irgendwie auch „Tatort“ bestätigte. Weil ich mich wiedererkenne.

Doch Vorsicht … es folgen potentielle Spoiler!

Nehmen wir mal Kiel … in „Borowski und der coole Hund“ (übrigens von Henning Mankell erdacht) besteht wildes Rätselraten. Und, nebenbei gesagt, ein herrlich subtiler Humor – Sarah Brandt reagiert sehr pikiert und aggressiv auf das Sexualleben einer Zeugin, ex-Pornodarstellerin Sibel Kekilli in einer Umkehrung der üblichen Klischees. Und der fiktive Kieler Rettungsdienst zeigt das Symbol der lange verschwundenen Firma KKR, merken auch nur Insider. Wie auch immer: Als mehrfacher Mörder steht am Ende André Ratownik da. Der mit passendem Nachnamen ausgestattete Mann ist nicht nur im Rettungsdienst, nein, er baut in seiner Freizeit Plastikmodelle. Ich fühle mich ertappt.

Weiter nach Weimar … „Der treue Roy“ liebt seinen Kater und hat eigentlich nur ein einziges Hobby. Nämlich seine Zinnfiguren. Was soll mir denn das nun sagen? Gut, er schafft es weder, seinen Nebenbuhler umzubringen, noch sich selbst aus dem irdischen Dasein zu befreien, ist mehr tragische Gestalt denn echter Täter, aber irgendwie …

Gehen wir von den mehr intellektuellen Lachern im Osten zum westlichen Schenkelklopfen nach Münster … bei Morden zur „Wolfsstunde“ bleibt der sonst gewohnte Humor aber im Hintergrund, hier kriselt es mal wirklich realistisch. Und der Krimi hat Überraschungsmomente, etwa Toni, etwa einen erst spät erscheinenden Verdächtigen, aber auch den hemmungslos emotionalen Thiel, der sogar vollkommen ausrastet. Wie auch immer: Als Boerne mit dem SEK die Wohnung des Täters stürmt, findet er neben Weltraumspielzeug auch noch eine Karl-May-Sammlung. Was ihn sofort davon überzeugt, dass der Mann eine Macke hat – von Nürnberger Rentnern bis zu Berliner Antiquaren dürften sich jetzt Leute fragen, was in ihrem Leben schief gelaufen ist.

Wobei ich selber, uff, ja nur eine bescheidene Doctor-Who-Sammlung habe, und die laufenden Meter Karl May eigentlich Herself gehören.

Womit wir wieder beim Problem sind, dass Hobbyisten in den Krimis entweder Täter oder Opfer sind. Vielleicht bin ich ja doch kein mörderischer Psychopath. Vielleicht liege ich bald selbst in der Tiefkühltruhe, wenn das mit Karl May ein Omen sein soll. Es gruselt!

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