Die Stadt des Weißen Kaisers

Am Jangtsekiang hatte sich einst der „Weiße Kaiser“ auf einem Berg am Ufer niedergelassen, heute ist hier schon ein Randbezirk der Millionenstadt Chongqing. Nachdem die Staumauer flussabwärts gebaut wurde, ward aus dem Berg eine Insel im Fluss, und eine kühne Brückenkonstruktion führt nun über das tiefe Wasser dorthin. Da uns eine Besichtigung angeboten wurde, machten wir uns auf den etwas komplizierten Weg (per Stadtbus vom Anleger zur Insel, ohne fachkundige Begleitung kaum machbar). Und ja, ich ließ mich sogar in einer Sänfte bergan schleppen … die vier Träger verdienten ihre Yuan redlich!

Das „Landschafts- und Erholungsgebiet Baidicheng“ wurde im Oktober 2004 ins Leben gerufen, die in unmittelbarer Nähe stehende Stadt wurde als „neue Stadt“ bei der Flutung des Flusstales neu gebaut. Baidicheng ist die alte städtische Siedlung am nördlichen Ufer des Jangtsekiang, wörtlich die „Stadt des Weißen Kaisers“. Sowohl das Wetter der Gegend (viel Nebel, der zu einem mysteriösen, aber friedlichen Aussehen – das Ideal eines Kaisers – führte) und das Auftauchen eines weißen Drachen (das Symbol des Kaisertums) waren wohl Schuld daran, dass der Militärbefehlshaber Gongsun Shu (gest. um 36 n.Chr.) sich selbst zum „Weißen Kaiser“ ernannte und hier eine Stadt, einen Tempel und eine Burg gründete. Deren erhaltene Bauten wurden nach Fertigstellung des Drei-Schluchten-Dammes in einer sehr malerische Insellage versetzt, die moderne, aber klassisch gestaltete Brücke macht den „antiken“ Eindruck komplett.

Übrigens: Baidicheng ist auch als „Dichterstadt“ berühmt, Li Bai oder auch Du Fu widmeten ihr Werke. Und der aus der „Romanze der Drei Königreiche“ bekannte Herrscher Liu Bei starb hier.

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