Die Musik zum Film

Mal wieder eine Thema abseits aller aktuellen Ereignisse … Filmmusik. Kann man endlos drüber diskutieren, und manche Sachen von John Williams, Maurice Jarre, John Barry oder Hans Zimmer sind auch Klassiker, aber manchmal ist doch der Soundtrack zu „King Solomon’s Mines“ (1950) am besten. Wobei es hier gar nicht unbedingt um die Hintergrundmusik gehen soll, die für Filme geschrieben wurde.

Schon Percy French, Lokalmatador in Ballyjamesduff, wusst, dass mit Musik vieles besser geht … aber manchmal geht es im Film auch daneben. Dennoch gibt es immer wieder Produktionen, die mir im Gedächtnis haften bleiben. Positiv. Manchmal nur wegen einer Szene mit einer einzigen Musikstelle, manchmal wegen einem insgesamt perfekten Soundtrack. Hier meine zehn Favoriten. Oder so. Auf jeden Fall zehn Fälle, in denen etwas haften blieb.

American Graffiti

Jawoll, dieser Teenagerfilm von 1973, an dem Francis Ford Coppola und George Lucas herummachten, in dem Harrison Ford eine fast vergessene Rolle spielte, und in dem es eigentlich um Nichts geht … für mich ein Klassiker, den ich immer wieder sehen kann. Weil letzten Endes eine Zeitkapsel. Und auf vielen Ebenen zu verstehen. Mancher wird ewig die Komödie darin sehen, andere erkennen den Tiefgang einiger Handlungsstränge. Für mich auch eine Begegnung mit Musik, die damals schon zu den Oldies zählte. Die Doppel-LP habe ich rauf und runter genudelt. Und die Sprechteile von Wolfman Jack kann ich heute noch textsicher mitkrächzen. Ah-uuuuh!

Buffy the Vampire Slayer

Bleiben wir noch etwas bei Teenagern … Buffy war nicht nur Kult im leichteren Mystery-Genre und oft ein Fest für die Augen (was in der DVD-Version etwas litt, da auch breiteres Format umgestellt wurde und man plötzlich Sachen sah, die man nie sehen sollte). Aber nicht die Musical-Episode „Once More With Feeling“ ist für mich bemerkenswert. Nein, es sind diese vielen Momente in der Kneipe „Bronze“, in denen mehr oder minder im Hintergrund eine Indie-Band spielt. Meistens perfekt zur Handlung passend …

Filme von Stanley Kubrick

Ja, ob nun „Also sprach Zarathustra“ oder der „Donauwalzer“ in 2001, ob der Kontrast zwischen dem Marsch „Britisch Grenadiers“ und irischem Ländler in Barry Lyndon, oder schlicht das groteske Absingen der Micky-Maus-Hymne am Ende von Full Metal Jacket … Kubrick hatte ein Händchen für Musik. Aber vielleicht niemals besser gelang ihm der Schockeffekt als nach Dr. Seltsams wundersamer Heilung …

Labyrinth

Im Prinzip ein Märchenfilm für ein doch jüngeres Publikum, den aber auch Erwachsene genießen können … wenn man schon Jim Henson (den Vater der Muppets) und David Bowie zusammen geboten bekommt, dann muss das was werden. Wurde es auch. Aber neben einigen Bowie-Songs blieb mir immer „When the World Falls Down“ im Gedächtnis. Zusammenfassung: Jungfrau auf Swingerparty. Eine der dezentesten Verführungsszenen überhaupt.

Supernatural

Noch eine Mystery-Serie … die in den frühen Folgen genial auf Rock-Klassiker zurückgriff. Todesszene mit dem grimmen Schnitter? Don’t fear the reaper! Danach schwächelte man ein wenig, erst in den späteren Staffeln wurde es wieder besser – bis hin zu Chuck Shurley als Singer-Songwriter. Aber keine Serie hat so sehr mit Popkultur gespielt, und sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen können.

Vietnam-Filme allgemein …

Gut, Filme zum Vietnamkonflikt haben den Vorteil, dass sie auf reichlich Musikmaterial zurückgreifen können, das die Periode Flower Power und Black Power vereint von psychedelischem Rock bis hin zu R&B und Soul – herrlich kombiniert in der legendären Bunkerszene aus Platoon. Grace Slick zu Smokey Robinson. Ausreißer wie den Walkürenritt einmal beiseite gelassen. Gegen den Strom schwamm fast nur Kubrick … in Full Metal Jacket benutzte er den Song der Kriegsunterstützer, „Hello Vietnam“, allerdings nur im Intro und insgesamt gesehen eher satirisch.

A Knight’s Tale

Dieser Film ist für mich ein Geniestreich (auch wenn die Aufzählung der Anachronismen auf der deutsche Wikipedia der Tastatur eines Mr. Monk entsprungen sein muss) – selten so gelacht, dennoch Chaucer (also seine Canterbury-Erzählungen) wiedererkannt, und gut unterhalten. Heath Ledger und Rufus Sewell als Antagonisten sind brillant besetzt, und die Musik. Ja, was soll ich sagen … Bowie zum „Tanz aus Gelderland“, Queen als Turniereinheizer, historisch absoluter Quatsch, aber beste Unetrhaltung.

Miami Vice

Muss ich dazu was sagen? Leider fand ich keinen guten Clip der Stelle, an der Country-Legende Willie Nelson zur Musik von Bon Jovi (die eigentlich zum Film Young Guns II gehört) auftritt. Also, wieder mal Phil Collins. Und: Auch wenn beispielsweise die Schimanski-Tatorte ähnliche Musikeinbindung boten, die Perfektion des großen Vorbild erreichten sie nicht. Im Gegenteil wurde es oft peinlich, etwa als in Salü Palu als Gaststar Sandra trällern darf …

Berlin gegen Chang’an – unentschieden …

Die zwei letzten Clips haben auf den ersten Blick gar nichts gemeinsam, sind sich aber technisch ziemlich nahe: Beide sind Sequenzen aus langen (in Folgen servierten) Thrillern mit akribisch genau dargestelltem historischen Hintergrund. Beide sprengen die Filmhandlung komplett auf, sind eine Inszenierung für sich. Beide sind bombastisch.

Fall Eins – die Gesangs- und Tanzsequenz im Moka Efti aus Babylon Berlin, „Zu Asche, zu Staub“. Überrollt den Zuschauer überraschend und hat das beste Zeug zum Ohrwurm.

Fall Zwei – der Einzug von Xu Hezi in The Longest Day in Chang’an … derselbe Effekt, die gesamte Handlung stoppt, das Publikum (inklusive einiger Hauptfiguren) ist fasziniert.

Für mich sind diese beiden Sequenzen mit das Beste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe – aber so etwas muss man sich erstmal leisten können. Zum einen von der Breite der Erzählung (Longest Day in Chang’an hat mit 24 Stunden Laufzeit da weniger Probleme), zum anderen vom Aufwand her. Das Mammutprojekt Oktoberfest 1900 jedenfalls hielt nicht mit … nur die singende Kellnerin unterbrach den Fluss der Handlung für jeweils weniger als eine Minute.

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