Der Yueyang-Turm von Lezi … Helm auf!

Das also ist Lezi – nach diversen Experimenten mit Diamond Blocks (oder Nanoblocks, wie man will) landete jetzt der erste Bausatz dieser chinesischen Marke auf meinem Tisch. Und ich muss sagen, es wird nicht der Letzte bleiben. Zum einen liegen ohnehin noch drei im Fundus, zum anderen bietet Lezi wirklich ungewöhnliche, teils einmalige Modelle an. Bei guter Qualität. Also ran an den Speck …

Was bekommt man nun für sein Geld? Also einen sehr stabilen Karton, mehrere Plastiktüten voll relativ unsortierter Teile, zwei (sehr gute) Steintrenner, zwei (kleine) Sticker, eine 28-seitige Bauanleitung in DIN A4, und sofort den Drang, Wikipedia anzukurbeln. Denn Hintergrundinformationen zum Yuèyáng Lóu (岳陽樓 – Yueyang-Turm) sucht man vergebens. Kurzfassung: Der Turm steht am Ufer des Dongting-Sees in der Provinz Hunan, sein geschwungenes Dach (heute bei Altbauten einmalig in China) soll an den Helm eines chinesischen Generals erinnern. Ursprünglich militärisch genutzt, wurde der Turm im Lauf der Jahrhunderte ein beliebter Aussichtspunkt, und ein Treffpunkt für Poeten, die hier Gesichte schrieben oder laut deklamierten.

Apropos Geld: Mein Modell kam via Flörsheim, Grossimporteur BB Services liefert es für 24,95 €. Bei AliExpress kostet das Set ohne Karton, aber inklusive Porto, etwas über 25 €. Und da nun kein denkender Mensch nur ein Modell einzeln von Hessen nach Cavan schicken lässt, ist der Endpreis trotz der bei Onkel Klaus fälligen Portopauschale von rund zehn Euro durchaus akzeptabel, zumal das Zeuchs wesentlich schneller ankommt.

Bastelspaß? Das kommt drauf an – wer sich bei der schichtweisen Verbauung der Diamond Blocks wie ein menschlicher 3D-Drucker fühlt, der wird weniger Freude haben, liegt in der Natur der Sache. Wer das Ganze als meditative Tätigkeit sieht … wird leider von der Bauanleitung wieder auf den Boden der Realität gezerrt. Denn die ist zwar gut und relativ großformatig, aber wie mittlerweile üblich von schlechter Farbunterscheidung geplagt. Eine LED-Taschenlampe ist unverzichtbar, und selbst mit der musste ich einige dunkelrote 1×1 wieder abreißen, weil dort mittelbraune hinsollten. Aber das Endergebnis, ja, es belohnt:

Nun wäre ich nicht ich, wenn ich nicht irgendwas zu nörgeln hätte – hier ist es vor allem die heute auch fast übliche Cut&Paste-Bauanleitung, in der versetzte (und somit stabilere) Bauweise gar nicht vorkommt. Gut, das Modell wird ja bestimmt nicht „bespielt“ werden, aber der geneigte Bastler mag sich selber an Alternativklemmungen versuchen. Dazu sah ich bei den gelben Steinen auch einige Farbunterschiede. Was bei Architektur meist kein Beinbruch ist, bei einem Feuerwehrauto oder auch einem kleinen Fiat fällt das mehr ins Gewicht. Fehlgösse hatte ich keine, nur wenige Steine wiesen minimal „Fischhäute“ auf, Steinqualität insgesamt in Ordnung. Endeinschätzung: Nichts katastrophales, aber in Details verbesserungswürdig. Und wie immer das Rätsel, warum statt einem 2×3 nun drei 1×2, statt einem 1×2 nun zwei 1×1 verbaut werden müssen … stabil ist auch da anders, aber der legendäre Steinpreis sinkt so natürlich.

Positiv dagegen ist der massive Unterbau, sowas sehe ich gerne.

Kaum noch verbessern kann man die Reserve, die Lezi mitliefert … fast eine ganze Ikea-Vorratsdose voll nicht benötigter Teile blieb übrig, das freut den Freund der kleinen Elemente. Allerdings könnte Lezi noch ein wenig in einen Übersetzer investieren, dass man Eltern androht, dass Kinder ihnen das Hirn verdrehen, vielleicht nicht der beste Werbespruch im Westen.

Mein Fazit: Schönes Modell, seinen Preis wert, und durchaus für den Einstieg in Architekturmodellbau mit Diamond Blocks geeignet – 2.600 Teile sind in dieser Disziplin eigentlich noch ein Klacks.

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