Der verschwundene Sweeney von Dublin

Es war ein glücklicher Zufall … Herself musste 2010 zu einem Termin ins Irish Life Centre in Dublins Lower Abbey Street, und ich als Fahrer nahm die Kamera mit, um einige Schnappschüsse zu machen. Irgendwann fragte ich mich, wo denn diese Rolltreppe hinführen möge. Nahm sie, fand mich in einer Art Dachgarten, und mit einem riesigen Wandmosaik konfrontiert. Vom Weg abgekommen, hatte ich den vom Weg abgekommenen Sweeney entdeckt!

Sweeney Astray„, so Seamus Heaneys Übersetzung (1983) der irischen Erzählung „Buile Shuibhne“ (entstanden wohl zwischen 1200 und 1500), war das Vorbild, Teile des Textes sind in dem Mosaik verarbeitet. Kurzfassung: Saint Rónán Finn wird vom Stammesfürsten Suibhne bei seinen guten Werken gestört … und folgerichtig verflucht, künftig nackt durch die Welt zu wandern und zu fliegen, geistig verwirrt, bis ihn ein Speer von seinem Fluch erlöst. Im Tode. Was dann auch alles so kommt, mit vielen Nebengeschichten und reichlich Allegorien. Ein interessanter Text. Dessen Episoden teilweise bildhaft und in kräftigen Farben im Mosaik aufgegriffen werden. Dies wurde von dem nordirischen Künstler Desmond Kinney im Jahr 1987 aus buntem Glas geschaffen. Und führte ein verstecktes Dasein … so versteckt, dass nicht einmal seine Vernichtung gross auffiel.

2013 nämlich vermeldete die Presse, dass „Sweeney Astray“ schlicht von offizieller Seite zerstört wurde … die hölzerne Unterkonstruktion begann zu verrotten, also rückte ein Bautrupp an und riss den ganzen Schamotter weg. Verpackt in Müllsäcke wurde das Kunstwerk abgekarrt, um einer „neuen Verwendung“ zugeführt zu werden.

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