Das Leben ohne die geliebte Butterfahrt

2020 war irgendwie anders, oder? Dieser Gedanke manifestierte sich auf unserem Landsitz anhand von zwei Beobachtungen. Mit denen schlagartig klar wurde, wie sehr die anhaltende Pandemie doch den Alltag verändert hat. Und wie das andererseits auch (unter dem sprichwörtlichen Strich) gut ist. Weswegen ich auch meinen Frieden damit gemacht habe.

Was war mir nun aufgefallen? Zum einen ist der Ordner „Fotos 2020“ auf dem Laptop und an anderen Speicherorten recht leer. Wo sonst pro Jahr einige Dutzend Unterordner lauern, finden sich heuer gerade mal zwei: „Handy-Bilder“ und „Kamera-Bilder“, so komplett ohne Aussage war die Dateibenennung noch nie zuvor. Aber warum auch einen Extraordner anlegen, wenn man ein paar Blumen im Garten knipst, oder einen Traktor am Wegesrand, oder sonstigen Kleinkram? Die großen beruflichen Themen lagen darnieder, virtuelle Pressetermine geben vielleicht gerade noch einen schlechten Screenshot her, und Bilder von unterwegs, aus dem Urlaub gar … bringt mich doch nicht zum Lachen.

Apropos Urlaub – im März sollte es nach Salzburg und Wien gehen, 2021 vielleicht nach Japan. Erstere Reise schminkten wir uns ab, nahmen den Verlust des kompletten Reisepreises billigend in Kauf. Glück im Unglück: Knapp vor Abflug rief das Reiseunternehmen an, dass man wegen der aktuellen Lage in der Alpenrepublik (Österreich machte da gerade alles dicht) leider absagen müsse. Ob wir unser Geld zurück oder einen Gutschein wollten? Na, ratet mal, nur das Bare ist das Wahre! Und Pläne für 2021 kann man ja derzeit gar nicht machen, Japan ist zudem durch die (eventuellen) Olympischen Spiele aus dem Rennen. Mal sehen, wir sind ja noch jung. Oder so.

Der andere große Punkt in Sachen „Auffälligkeit“ waren die Butterfahrten, die wie sonst relativ regelmäßig nach Nordirland unternahmen. Sie fielen unter den Tisch. Wie auch Einkaufsfahrten allgemein: Irgendwann im Januar waren wir mal in Blanchardstown, und Anfang März einmal in Enniskillen. Seitdem wurde ausschließlich in Cavan eingekauft.

Was nicht unbedingt eine extreme Härte darstellt: Aldi, Dunnes, Lidl, SuperValu, Tesco sind vor Ort, dazu drei sehr gute osteuropäische Supermärkte, ein afro-karibischer Laden, zwei gute Halal-Märkte, zwei exzellente traditionelle Schlachter, und der Asia Market liefert von Dublin aus ins Haus. Gut, einige Spezialitäten gibt es nur in Nordirland, aber entweder macht man die jetzt eben selbst, oder man wartet. Oder hofft darauf, dass bei Aldi mal wieder Pork Pies im Regal liegen (Scotch Eggs kann ich mir dagegen komplett abschminken).

Man kann auch ohne „Butterfahrt“ durchkommen, ganz so schlimm sind die Verluste nicht, und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis im Norden ist derzeit nicht so krass unterschiedlich. Wenn man mal von Medikamenten und Alkohol absieht.

Warum ich mich jetzt gar nicht mehr aufrege? Im Prinzip ist das alles gut so … denn eigentlich sollte man ja sowieso die lokale Wirtschaft anregen. Und wer nicht weit fährt, der verpestet auch die Luft nicht so sehr. Und wer sich auf Alltagssachen beschränkt, der spart auch noch. Im Prinzip also ist die durch Covid-19 verhängte Zwangspause also unterm Strich gar nicht mal so schlecht.

Dass sie uns allen langsam auf den Geist geht … unbenommen.