Covid-19 und die Psyche

Reden wir einmal über „geistige Gesundheit“ … und beginnen wir mit dem Eingeständnis, dass der Verfasser dieser Zeilen zu Depressionen neigt. Nicht die Sorte „Wo sind mein Rasiermesser, die Flasche Wodka und die Schlaftabletten?“, sondern mehr eine allgemein pessimistische Haltung mit Perioden des existentiellen Selbstzweifels. Und dem Gefühl, dass doch irgendwie alles egal sei. Lähmend, aber nicht akut lebensbedrohlich. Also keine Sorge. Aber …

Aber wer dieses Gefühl, so oder ähnlich, kennt (und ich weiß, dass es vielen meiner Freunden und Bekannten nicht unbekannt ist), der/die wird sich vielleicht auch schon Gedanken zum geistigen Zustand der Nation(en) gemacht haben. Wobei ich nicht die Umnachtung meine, die etwa US-Amerikaner überfällt, wenn die jetzt einmal mehr Waffen horten. Auch nicht weißrussische Versuche, Covid-19 zur Psychose zu erklären und zu Wodka-Kuren zu raten. Auch nicht Betschwestern und -brüder, die den Monolog an den Allmächtigen für das Allheilmittel halten.

Nein … einfach die Frage: Welche psychischen Folgen wird Covid-19 haben?

Ausschnitt aus "The Death of Chatterton" von Henry Wallis (1856)

Werden die Dachkammern voll von toten Poeten sein, Chatterton-mäßig? Gerade die intellektuell etwas herausragenden Menschen, die mit sehr viel „Einfühlsamkeit“, sie werden vielleicht am meisten von der Weltlage mitgenommen. Aber das ist weniger meine Sorge als eine Pandemie der Hilflosigkeit gegenüber einer Krankheit, die man nicht versteht, und die bislang nicht einmal die Versteher bekämpfen können. Eine Hilflosigkeit, die sich auch bei bislang eher unauffälligen Menschen in Depressionen äußert, eventuell noch beflügelt durch gähnende Langeweile und Drogen (ja, auch Alkohol). Gekoppelt mit Existenzangst. Da kommt dann schon mal schnell der Gedanke auf, man könne doch die Sache mit dem Fieber und dem Husten ganz vermeiden und schlicht sofort …

Ganz zu schweigen von ganzen Familien, die (zumindest teilweise) unter solchen Gedanken leiden, und sich noch dazu auf engstem Raum gegenseitig auf den Zeiger gehen. Da scheint mir der Schritt zur „erweiterten Selbsttötung“, wie man Mord in Kombination mit Suizid so beschönigend nennt, doch kürzer als sonst.

Alles nur Unkenrufe eines ewigen Pessimisten?

Nein, absolut nicht – die Erfahrungen der Spanischen Grippe vor rund hundert Jahren lassen solche Gedanken aufkommen. Zumindest anekdotisch ist bekannt, dass sich Suizide wie „Familientragödien“ in jenen Tagen häuften. Genau Buch führte, leider, niemand … aus vielerlei Gründen. Und wie schnell eine scheinbar ganz normale, ja sogar als „ideal“ angesehene Familiengemeinschaft zusammenbrechen kann, das habe ich in der weiteren Nachbarschaft gesehen.

Zudem muss man ja jetzt schon feststellen, dass das Thema „häusliche Gewalt“, also der klinisch-trockene Begriff für Menschen, die ihre Mitbewohner missbrauchen, keineswegs wegen Covid-19 Pause macht. Im Gegenteil, die Zahlen der Fälle scheinen zu steigen. Was sicher auch daran liegen mag, dass manche Leute die Probleme der Welt nicht mehr am Tresen lösen und sich dann auf dem Heimweg schnell an „Fremden“, „Schwuchteln“ oder einfach zufällig der Faust im Weg stehenden Menschen abreagieren können.

Das alles sind die mehr oder minder unmittelbaren psychischen Folgen der Pandemie, die ich befürchte.

Dazu kämen dann noch die mittelbaren Folgen – wird sich die Erfahrung Covid-19 wie eine kollektive Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS – im Englischen PTSD) auf die Menschheit legen? Werden wir künftig in einer Art Anspannungszustand leben, wie er in Mitteleuropa vielleicht zuletzt nach 1945 herrschte?

Oder, auch eine Möglichkeit, wird sich die Psyche der Massen so verändern, dass die Notstandsmaßnahmen der Regierungen das „neue Normal“ werden, dass starke Männer (und es sind eigentlich immer Männer) das Ruder so mancher Nation noch leichter an sich reißen können? Werden die Populisten die eigentlichen Gewinner der Krise?

Oder … werden wir die ganze Sache schnell wieder vergessen und verdrängen, wenn die akute Gefahr beseitigt ist, und man der Warnungen überdrüssig wurde? Was mir selbst nach einem Blick auf die Zahlen an Geschlechtskrankheiten in Irland, in Zeiten von AIDS und Safe Sex ständig steigend, absolut nicht abwegig erscheint.

Keine Ahnung.

Auf jeden Fall haben die Psychopathen ja mit Covid-19 schon ihre große Stunde, keine Weltverschwörung ist zu dumm, um nicht in einen Zusammenhang gebracht zu werden. Big Pharma, 5G, Chinas biologischer Krieg gegen den Westen, Bevölkerungsaustausch, irgendwas muss es ja sein. Und an der Klopapier-Knappheit ist Merkel persönlich Schuld!

2 Gedanken zu „Covid-19 und die Psyche

  • 12. April 2020 um 05:09
    Permalink

    Mannomann Bernd
    Sei kein kleiner Knecht. Fahr Taxi.
    Falls Du nicht weißt wohin, schreie den Fahrer (m/w/d) an: „Folgen Sie dem Virus!“
    °
    Ok, das ist ein Insider-Scherz noch aus den 70er Jahren. Erst 40 Jahre später begriff ich das mit den diversen depressiven Varianten und vor allem der eigenen (gottlob keine Rasiermesser). Nicht durch Erkenntnis, sondern durch Katastrophe.
    Gerettet hat mich die von Dir in Gänsefüßchen gesetzte Geistige Gesundheit und dass ich meinen Humor behalten habe.
    In diesen panisch-pande-mies-ischen Tagen verspüre ich manchmal eine Art „emotionalen Vorsprung“, weil die Sorte von Depression, in die Welt jetzt verfällt, die habe ich irgendwie, irgendwarum – ich scheue es fast zu sagen – hinter mir.
    Mich wundert eigentlich nur, dass sich so viele plötzlich wundern. Zwinkersmily
    °
    PS: Dieses Lego-Guggenheim soll ja 1:50 sein, wäre also was für meine Hybridskulptur TRINA. Hast Du das Teil mal getestet??? Oder gar ein Rezensionsmodell im Lager?
    { … so geht Optimismus … }
    Häppy Easter

  • 13. April 2020 um 12:18
    Permalink

    Eh, Robbie … Du hast im Eingangstext noch ein rechtslastiges „Quo Vadis“ vergessen. Und das Guggenheim von Lego ist nur etwas für Trina, wenn sie Gigantin sein will. Ist zwar ein gutes Modell, aber viel, viel kleiner als 1:50, 1:500 wäre eher wahrscheinlich …

    Möge der Hase mit Dir sein!

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