Bunt gegen die Gefahren des „Teufel Alkohol“

Die beliebteste Strategie im Kampf gegen die Trunksucht auf den britischen Inseln ist „Restriktion“ … kurze Kneipenöffnungszeiten, hohe Preise über exorbitante Steuern, keine Abgabe an Jugendliche. Dennoch torkeln hier regelmäßig mehr Leute rum als in Ländern, in denen das alles nicht gegeben ist. Deutschland etwa.

Jetzt sah ich auf Facebook eine Anzeige von Drinkaware, der „nationalen Wohltätigkeitsorganisation gegen Alkoholmissbrauch“, gesponsert laut Webseite derzeit von Alcosense, Aldi, Clonakilty Distillery, Coca-Cola Hellenic, Coca-Cola Ireland, Deliveroo, Diageo, Dublin Beer Factory, Edward Dillon, Galway Craft Beers, Grace O’Malley Whiskey, Heineken, Hi-Spirits, Irish Distillers Pernod-Ricard, Lambay Irish Whiskey, Lidl, MacIvor’s Cider Co., Marks and Spencer (Ireland), McAllister Distillers, Molson Coors, Pearse Lyons Distillery, Proximo Spirits, Quintessential Brands, Richmond Marketing, Rye River Brewing Company, Sliabh Liag Distillers, Walsh Whiskey und William Grant. Kurz: Alles Firmen, die mit dem hohen Alkoholkonsum der Iren Geld verdienen. Ein Feigenblatt?

Wie auch immer, angeboten wurde ein kostenloses Starterset zur Alkoholkontrolle, Sachwert nach meiner Schätzung um die zwei Euro, nach einigen Wochen mit fast zehn Euro Porto frankiert hier im Haus. Neben einer Broschüre dann dabei, der Alkoholrechner:

Schön bunt, und dem geneigten Leser vorrechnend, wie viel er (weniger sie) noch bechern darf. Wie man sieht: Ein Pint Guinness am Abend ist für mich noch in Ordnung, Herself wäre damit aber schon gefährdet. Die muss dann wirklich die mindestens zwei alkoholfreien Tage in der Woche einlegen. Ich dagegen hätte noch für drei kleine Gläser extra Reserve!

Irgendwie kommt mir das nun wie eine Milchmädchenrechnung vor, zumal ja der Ire an sich eine Neigung zum „binge drinking“ hat, also die sieben Pints Guinness eben an einem kurzen Abend runterkippt. Das dürfte ungesunder sein.

Wie auch immer, für Leute mit mathematischen Problemen hat mir die Organisation auch einen Messbecher mitgeliefert. Mit dem ich dann genau Protokoll führen kann, wie viele von meinen erlaubten 17 Standarddrinks ich diese Woche schon weggebechert habe. Ein wahrlich unauffälliger Helfer auf jeder Party …

Laut Anleitung soll ich jetzt also das Gesöff der Wahl erst einmal in diesen Becher füllen, dann das Notizbuch schnappen, und dann erst genießen. Ob man nun aus dem Plastikbecher direkt trinken soll, oder den so abgemessenen Jahrgang 1912 des Château Lafite Rothschild noch in etwas Waterford Crystal dekantieren soll, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall dürfte die Messaktion mit dem an Urinproben erinnernden Gesundheitsförderer schnell Wirksamkeit zeigen.

Wer, frage ich mich, kann seinen guten Tropfen so wirklich noch genießen?