Als Borowski noch mit dem Stahlnetz zum Tatort ging

Dieser Tage haben wir es endlich geschafft, den Ur-Borowski zu sehen … die „Stahlnetz“-Folge mit dem Hannoveraner Kommissar ist für norddeutsch orientierte „Tatort“-Fans ja sowas wie der Urfaust für Goethe-Liebhaber, ein noch nicht ganz ausgereiftes Kuriosum.

Und, hat es sich gelohnt? Dank der ARD Mediathek kann man den 2002 gedrehten Streifen (der auch, so etwas fällt mir auf, in seltsam nostalgischer Art einen mindestens ein Dutzend Jahre alten Volkswagen T3 der Polizei im Dienst zeigt) genießen. Wobei Klaus Borowski trotz anderem Dienstort schon die klassische Figur ist: Grummelig, nicht wirklich teamfähig, manchmal zu Gedankensprüngen neigend, und abwechselnd der Logik und dem Gefühl vertrauend. Gut, der Pornobalken stört vielleicht ein wenig, aber sonst: Gute Hausmannskost!

Das klassische „Stahlnetz“-Format nimmt hier einen leichten Schwenker mit, Wolfgang Menge und Jürgen Roland treffen auf die X-Files sozusagen, aber das schon im Titel „PSI“ angedeutete Übernatürliche schwingt mehr im Hintergrund mit, wird sogar per Ratte kurz persifliert. Bis es, man glaubt es kaum, zur Lösung des Falls beiträgt. Unglaubwürdig? Jein, denn der sich an einen Strohhalm klammernde Borowski wird angesichts der bedrohlichen Situation einer Kindsentführung mit einem sturen Täter zum Sympathieträger, nicht zur lächerlichen Figur. Wobei eine zweite „übernatürliche Schiene“ während der Ermittlungen gar nicht direkt thematisiert wird. Was haben die Zeugen nun wirklich gesehen?

Ansonsten allerdings bleibt der Krimi dem ursprünglichen Serienanspruch „just the facts“ treu, was nur neunzehn Jahre später fast betulich wirkt. Aber auch seine Stärken hat, denn etwa die scheinbar ewige Wartezeit auf den zweiten Anruf der Entführer zehrt an den Nerven … naja, des Teams zumindest, das Publikum weiß ja, warum. Action gibt es eigentlich gar nicht im Film, eine einzelne Verfolgungsjagd (zu Fuss) endet so lapidar, dass man nicht einmal den Atem anhält.

Klassisch bleibt (oder ist bereits) Borowskis Verhältnis zu seinen Kollegen … „Er mag sie!“ sagt einer ermunternd zur neuen Kollegin Anna Wagner. Was sich dadurch zeige, dass er sie nicht gleich zerrissen habe. Bis zu Mila Sahin allerdings ist es noch ein weiter Weg, denn erst diese steht mit dem ewig hadernden Vorgesetzten auf Augenhöhe.