Leben in Zeiten des Coronavirus

Kurz vor Weihnachten hatte ich das Buch „Pandemic 1918“ von Catharine Arnold gelesen (sehr empfehlenswert), jetzt lebe ich den Albtraum … Covid-19, erst als lustiger Chinesen-Witz gehandelt, rafft die Leute dahin. Keine Sorge, ich bin weder infiziert (glaube ich) noch in Panik (jedenfalls nicht mehr als sonst). Nur nachdenklich.

Irgendwie nämlich setzt es einmal mehr aus, das kollektive Hirn. Falsch gesagt: Das individuelle Hirn setzt aus, irgendwo gibt es dafür Patient Null (oder „Psychopathische Null“), es wird eine Massenhysterie daraus, die Gesellschaft beginnt zu bröckeln. In Australien gibt es Messerstechereien wegen Klorollen … kein Wunder, dass uns der Kontinent „Mad Max“ bescherte.

Nur in Australien? Irland ist nicht weit dahinter, denn seitdem die geschäftsführende Regierung (nach der verpatzten Wahl haben wir immer noch keine neue) relativ vernünftige Maßnahmen bekannt gegeben hatte, aber auf ein Fortbestehen der normalen Logistik im Einzelhandel verwies, machten sich marodierende Horden auf den Weg in die Supermärkte. Und kauften die auch aus Deutschland bekannten Dinge: Toilettenpapier und Nudeln. Desinfektionsmittel gibt es schon seit Tagen nicht mehr. sonst wäre das noch dabei gewesen. Lidl sieht sich schon zu Rationalisierungen gezwungen:

lidl irland rationalisiert toilettenpapier covid-19

Ich könnte jetzt ellenlang über Notvorrat contra Hamsterkauf schreiben, den Sinn des ersteren loben und zur Sinnlosigkeit des letzteren lamentieren, auf gültige Vorsorgeempfehlungen der deutschen Regierung verweisen (die ich, nur graduell unterschiedlich, im Kalten Krieg eingebläut bekam und heute noch immer als gute Richtschnur sehe), auf die Weltfremdheit und Arroganz mancher Menschen verweisen, mich über Rücksichtslosigkeit im Miteinander gerade in Krisensituationen echauffieren … aber was soll es?

Man bekommt, tut man es im Laden, vielleicht real, im Internet aber auf jeden Fall virtuell eins aufs Maul.

Covid-19 reißt letztlich die Maske der Zivilisation herunter, offenbart den ohne jeden Altruismus daher kommenden Primaten, lässt die Rechte der Schnelleren, Stärkeren und auch Reicheren deutlich werden. Dass die Letalität der Infektion unter Rentnern höher ist, das scheint medizinische Gründe zu haben. Aber ob die irgendwann dadurch einen Booster erhalten, dass sich Oma Lieschen Müller und Opa Otto Normalverbraucher eben nicht im Supermarkts-Kampf durchsetzen konnten, mit einer angequetschten Banane, einem fast abgelaufenen Toastbrot und etwas H-Milch nach Hause zuckeln mussten … ich befürchte es fast. Und kommt es irgendwann zur Triage, dann rutscht die Generation 60+ ganz schnell nach hinten.

Mal sehen, wie es weitergeht. Im örtlichen Lidl jedenfalls gab es heute morgen, nur einen halben Tag nach der Ankündigung recht simpler Maßnahmen, keine Hygieneprodukte für Frauen mehr. Grund? Irrationalität, kein echter Mangel, das Zeug wird kiloweise weggekauft, als müsse man die nächsten 24 Monatsblutungen als Selbstversorger in Einzelhaft überstehen.

keine binden und tampons mehr bei lidl in cavan covid-19

Mal sehen, was als nächstes fehlt … da Paddy’s Day ins Haus steht (wortwörtlich, Paraden und andere Festivitäten sind ja abgesagt), tippe ich auf billigen Fusel.

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