Hilflose Sprechblasen

Die Iren lernen dazu – zumindest mal die, die dem organisierten Verbrechen frönen. Wurden früher Konkurrenten mit einem traditionellen Kneecapping abgemahnt, geht man heute, wohl Medien-inspiriert, mit den Methoden der Drogenkartelle an die Sache heran. Und das ist, im wahrsten Sinne des Wortes, zum Kotzen.

Aktueller Fall: Ein 17jähriger Teenager, der Polizei an sich schon nicht unbekannt, hatte sich wohl mit den falschen Leuten eingelassen und angelegt. Galt dann als vermisst. Und wurde jetzt gefunden. Nach und nach zumindest, und in Teilen – die Beine und Arme am Montag in einer Sporttasche, der Kopf am nächsten Tag in einem ausgebrannten Wagen, der Rest liegt wohl noch irgendwo herum. Gangland 2020 in Ostirland, nicht etwa Narco-Kriege in Mexico oder Kolumbien. Und ein deutliches Signal an Konkurrenz und Bevölkerung …

Nun war ich selbst bislang eher so der mit den Schultern zuckende Typ, wenn sich Kriminelle gegenseitig aus dem Weg räumten. Solange keine Unschuldigen leiden mussten (und das taten sie oft genug). Und solange die Sache einigermaßen „sauber“ abging. Aber abgetrennte Gliedmassen in einem öffentlichen Park zu entsorgen, damit Kinder sie dann finden … ne, geht schon mal gar nicht. Wobei zerstückelte Leichen allerdings nun auch wieder keine echte Neuheit in Irland sind. In der Gangland-Szene aber ein Novum.

Klar, man ist jetzt geschockt … aber die Hilflosigkeit der Polizei angesichts der seit Jahren im Milieu tobenden Bandenkämpfe und dieser überraschenden Eskalation in der Wahl der Methoden lässt sich in den Worthülsen erkennen, die den Medien hingeworfen werden.

Polizeichef Drew Harris etwa „assured the investigation teams of the full support of the organisation“ – habe ich irgendwie nicht anders erwartet. Hat nicht jede Mordermittlung die volle Unterstützung des gesamten Polizeiapparates? Muss man das betonen? Harris muss, weil er sonst nicht viel sagen kann. Oder soll er auf Hinweise in den Medien eingehen, dass der Täter, zumindest der Auftraggeber, bekannt wie ein bunter Hund sei, man ihm nur nichts nachweisen könne? Besser nicht, denke ich.

Ein anderer Garda-Vertreter, Chief Superintendent Christy Mangan, wurde mit den Worten zitiert, dass der Mord und die anschließende Leichenentsorgung ein „level of brutality and savagery completely unacceptable in any democratic society“ darstellten. Was hat denn Demokratie damit zu tun? Mal ganz ehrlich, weder Hitler noch Stalin oder Mao hätten solch ein Vorgehen freischaffender Krimineller abgenickt. Und was heißt „vollkommen unakzeptables Level“? Gibt es denn für Mord ein akzeptables Niveau?

Eiertanz um den Elefanten im Raum. Und der ist wirklich bekannt: Die irische Unterwelt ist nach wie vor außer Kontrolle. Verschlimmernd kommt hinzu, dass sich die Gewalt in Bereiche bewegt, die man bislang nur aus sensationslüsternen Medien kannte.

Über die ermüdenden Darstellungen der Lebensläufe der Beteiligten mag ich jetzt gar nicht mehr nachdenken … wieso sind eigentlich gewalttätige Menschen mit Hunderten von Vorstrafen nicht nur auf freiem Fuss, sondern können sogar noch einen Lebensstil öffentlich vorweisen, der mit ihrer Steuererklärung nicht mal marginal in Einklang zu bringen ist?

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