Fein für Sinn Fein

Nach einer neuen Umfrage steht der irischen Parteienlandschaft die Revolution bevor – die traditionellen „Volksparteien“ schwächeln, Regierungspartei Fine Gael liegt bei 20%, die loyale Opposition Fianna Fail bei 23%. Neuer Stern am Firmament? Sinn Fein mit 25%. Wie fein für die Partei, wie schlecht für die Aussichten nach der Wahl.

Vor vielen Jahren hätte ich ja noch gejubelt, denn „unsere Republikaner“ sind der Macht ganz nahe. Nach mehr als zwanzig Jahren im Land bin ich skeptischer, oft schlicht auch realistischer. Denn Sinn Fein hat in Nordirland bewiesen, dass man zwar gut anderer Leute Geld ausgeben kann (der Laden wird letztlich immer noch von Westminster aus finanziert), aber keine echten, langfristigen, nachhaltigen Konzepte aufzuweisen hat.

Haben die Unionisten auch nicht, keine Angst, aber gerade Sinn Feins Haltung „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ macht die Partei oft unglaubwürdig. Etwa in den gar nicht seltenen Momenten, in denen man im Norden als Mitregierungspartei eine Politik absegnet, die man im Süden mit allen Mitteln bekämpft. Realpolitik verglichen mit Wolkenkuckucksheimen, gewissermaßen.

Warum ist Sinn Fein so populär?

Nun ja, kurz und grob zusammengefasst kann man sagen, dass die nationalistischen, teilweise völkischen Elemente der Parteilinie wie immer die Fraktion „Irland den Iren“ bedienen. Nicht mehr unbedingt gegen „die Briten“, sondern gegen des Rest der Welt. Ein prominenter Dubliner Sinn-Fein-Stadtrat etwa bemängelte an Leo Varadkar kürzlich weniger politische Details als seinen ethnischen Mix und sein Schwulsein.

Dann sind da die Versprechungen … ein Irland für alle, Vollbeschäftigung, Wiedervereinigung, saubere Umwelt, besseres Sozial- und Gesundheitswesen und so weiter und so fort. Dinge, die man im Norden nicht geschafft hat, aber da waren wahrscheinlich die Briten Schuld, oder so. Klingt alles gut, wenn es auch, näher betrachtet, meist ohne Substanz ist. Wahlversprechen eben, die man mit Glück nicht einhalten muss.

Und dann ist Sinn Fein eben die erste Wahl des Protestwählers … alles kombiniert lässt die (vorgeblich ja eher linke) Partei eher ähnlich wie andere Rechtspopulisten aussehen, wie den Mann im Weißen Haus, wie die AfD in Germanien. Klingt hart, ist aber meine Meinung. Man nehme allein das immer noch ambivalente Verhältnis von Sinn Fein zur terroristischen Vergangenheit, zu den Persilscheinen („a good Republican“), die heute noch Kriminellen ausgestellt werden.

Eines aber scheint im Moment sicher … das vertrackte irische Wahlsystem muss nicht unbedingt eine Umfrage-Popularität von 25% auch in einem Viertel der Mandate wiederspiegeln. Und keine der traditionellen Volksparteien strebt auch nur in Gedankenspielen eine Koalition mit Sinn Fein an. So wird dann ein Wahlerfolg der Partei eher zu einem abenteuerlichen Koalitions- oder Duldungskonstrukt als zu einer Regierungsbeteiligung führen.

Was in sich selbst wieder ein Problem ist, denn eine Eiertanzregierung, die das Fähnchen nach ständig wechselnden Winden hängen muss, bringt auch keinen Fortschritt.

Andererseits könnte man ja auch Sinn Fein mal an die Regierung lassen … ich bin überzeugt, dass dieser Versuchsballon dann binnen kurzer Zeit implodieren würde. Ob ich das allerdings live vor Ort miterleben möchte? Ne, so experimentierfreudig bin ich auch nicht. Dann lieber weiter wie gehabt mit FF und FG.

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